Dienstag, 11. September 2012

Dienstagsgedanken

Den MMM letzte Woche habe ich verschwitzt, hier lungern noch alle daheim rum (außer ich natürlich, ich muss arbeiten *grmpf*) und da ist es mit Bildern machen schwierig. Herr Schneckennase hat nämlich nicht immer Verständnis dafür, dass ein Bild nicht reicht. Wenn alle da sind kann ich nicht mit dem Stativ und dem Selbstauslöser rummachen...geht irgendwie nicht.

Trotzdem habe ich etwas selbst Genähtes angehabt. Ich habe in letzter Zeit viel in den Nähblogs gelesen über Feminismus und DIY und Mode an echten Frauen und die Motivation zu nähen und die Vorteile, die man hat, wenn man eben nicht auf Kaufkleidung angewiesen ist, sondern sich praktisch seine Kleider passend für die Figur selbst auf den Leib schneidern kann. Ich habe mir überlegt, warum ich mich eigentlich regelmäßig an die Maschine setze und für mich nähe, wenn auch noch nicht so oft.

Ich habe ja gar kein Problem mit Kaufkleidung. Ich habe eine absolute Normfigur. Ich kann problemlos Kleider kaufen ohne frustriert in der Umkleidekabine zu stehen und tue das auch. Ich bin ja noch weit davon entfernt, meine gesamte Garderobe selbst zu nähen. Aber immer häufiger komme ich von einer Einkauftour heim, ohne etwas gekauft zu haben, weil ich im Laden stehe und mir denke...neee, das kannst du auch selbst.

Es macht einfach so unglaublich viel Spaß, etwas selbst zu machen und hinterher etwas Konkretes in der Hand zu haben. Es ist ein sehr befriedigendes Gefühl, die letzte Naht und den letzten Stich an einem Kleidungsstück zu machen und dann hat man tatsächlich etwas geschafft. Ich bin stolz darauf, zu wissen, wie so etwas funktioniert, wie man Kleidung konstruiert. Das ist ja immerhin eine alte Kulturtechnik, die langsam den Bach runter geht. Ich kann inzwischen sehen, auch an anderen, wenn etwas nicht richtig sitzt und so langsam, weiß ich auch, warum es so ist und was man hätte anders machen müssen. Ich muss und will da noch ganz viel lernen. Aber mit jedem Kleidungsstück lernt man ja dazu.

Ich bin übrigens auch sehr erstaunt, in anderen Blogs zu lesen, dass man als Hobbyschneiderin in die "Hausmütterchenecke" gestellt wird. Die Erfahrung habe ich hier in meinem realen Umfeld noch nicht ein einziges mal gemacht. Ich bekomme eigentlich nur positives Feedback, und Anerkennung dafür, dass ich so etwas kann. Der Gedanke, dass ich mich als emanzipierte Frau für so ein häusliches Tun rechtfertigen müsste, ist mir noch niemals gekommen. Deshalb habe ich auch ganz erstaunt über das Nähen als feministischen Akt gelesen. Ich habe vorher überhaupt keinen Zusammenhang gesehen. 

Aber der Gedanke gefällt mir gut. Er gefällt mir deshalb, weil ich zwei Töchter habe, die langsam in ein Alter kommen, in dem Kleidung nicht mehr nur schön sein muss, sondern auch für alle sichtbar einen Standpunkt vermittelt. Oh Gott, versteht man das?
Ich hoffe, ich kann meinen Mädels vermitteln, dass man seinen eigenen Stil finden kann, dass man nicht tragen muss, was alle anderen tragen. Und dass es eine Möglichkeit gibt, das umzusetzen.
Und mir gefällt der Gedanke, sich mehr Raum zu verschaffen, wie Meike das formuliert hat. Es ist erschreckend, wie viele Frauen sich immer noch klein machen, oder sich klein machen lassen. Und tatsächlich muss man im Alltag auch immer wieder auf der Hut sein, dass das nicht passiert. Auch etwas, was es wert ist, seinen Mädels zu vermitteln.

Ich hätte gerne all die Blogeinträge, auf die ich mich beziehe verlinkt, aber das läßt mich Blogger gerade nicht machen.



Kommentare:

  1. einen wunderschönen beitrag hast du verfasst!
    ich weiß jetzt nicht mehr wie alt deine töchter sind.. aber angelehnt an meine erfahrung mit meiner tochter kann ich sagen, dass man nie früh genug damit anfangen kann,ihre persönlichkeit zu formen. ich bin froh und ein bisschen stolz, dass meine tochter von mir genähte sachen gerne und stolz trägt. ihr ist es bewusst,wie viel zeit und arbeit in handarbeit steckt. ihr ist auch bewusst,dass so wie sie niemand sich kleidet,denn die meisten haben dasselbe,selbst wenns markenwaren sind. sie ist auch froh,dass mama ihr ein designer-rock nachgenäht hat(Hoschek),den sich kaum einer von ihren kameraden leisten kann. usw usw.
    ich hab mit grosser verwunderung über hausmütterchen-stempel gelesen. und habe dabei kurz nachgedacht woher das kommt...?
    meine meinung nach- es hat sehr viel mit stil und qualität des genähten zu tun.
    ich wurde in meinem leben oft drauf angesprochen, "von wem" ich das habe? und als zweite frage war "sind sie eine designerin"?
    aber niemand im ganzem leben stempelte mich als hausmütterchen-hobbynäherin, obwohl ich genau das bin...
    ich finde, dass man durch nähen nicht nur selbstbewusstsein steigert, positive emotionen gewinnt, sondern sich ein grossen stück freiheit verschafft-denn man kann sich alles, kreieren ,was man will, was einem steht und was man sich sonst niemals leisten kann wie z.b. einen chanel-jacket..

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  2. Ja, das hast du gut zusammengefasst. Der Auslöser fürs Nähen-Lernen ist ja wahrscheinlich fast immer, dass man Sachen haben möchte, die man so nicht kaufen kann. Und wenn man erstmal eine weile dabei ist erkennt man, welche Möglichkeiten sich auftun und welche Freiheit man dadurch gewinnt. Es ist ja nicht nur der Spaß an der Tätigkeit, der so befriedigend ist, sondern auch der Spaß und Stolz am Ergebnis, dass man sich nicht mit dem zufrieden geben muss, was alle haben. Es wäre toll, wenn du das deinen Töchtern vermitteln könntest - wenn ich hier morgens die Schülerinnen in der Bahn sehe, tragen die alle genau das gleiche. Bei uns gabs ja wenigstens noch die Unterschiede zwischen Ökos und New wave, in meiner Klasse war eine mit 50er-Jahre-Kleidern etc. Als Außenstehende hab ich den Eindruck, dass heute alles gleich ist.

    viele Grüße!
    Lucy

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