Donnerstag, 22. Dezember 2016

Ein verwaister Blog!



Nur sporadisch habe ich mich in den letzten Monaten immer mal wieder gemeldet. Das hatte diverse Gründe, liegt aber vor allem auch daran, dass ich nicht letzter Zeit nur wenig genäht habe. Keine Zeit, keine Lust, keine Motivation. Außerdem habe ich mich eher auf Twitter rumgetrieben, das geht schneller und ist ja doch um einiges interaktiver. 

Aber die Diskussionen der letzten Tage in der Nähcommunity, haben mich dann doch veranlasst, meinen kleinen Nähplatz im Netz herauszuholen, ihn ein wenig von allen Seiten zu betrachten, ihn ab zustauben und festzustellen, dass ich es doch bedauere ihn die ganze Zeit so links liegen gelassen zu haben. 


Und mit meinem Bedauern bin ich ja nicht alleine, das Nähblogsterben zugunsten von Twitter und Instagram finde ja nicht nur ich schade. Auch für mich war es, als ich mit dem Nähen vor nun schon fast 8 Jahren wieder begonnen hatte, eine Offenbarung, auf all den Austausch und das Know-How im Netz zu stoßen. Erst in den Foren, dann auf den Blogs. Und so habe ich ein wenig reine gemacht und ein wenig aufgeräumt und er erscheint nun in neuem Design.

Aber warum hatte ich eigentlich in all den letzten Monaten so gar keine Lust an die Nähmaschine zu gehen. Anscheinend habe ich ganz vergessen, was mir das Nähen gibt. Sobald ich an der Nähmaschine sitze, vergesse ich Zeit und Raum. Ich komme da tatsächlich relativ schnell in den Flow und lasse mich nur ungern stören. Das ist ein herrliches Gefühl. Leider gibt es mit Kind und Kegel nur so selten Gelegenheiten, bei denen man ungestört ist und natürlich gibt es immer etwas anderes zu tun, das scheinbar dringender, wichtiger und notwendiger ist. Zeit, sich wieder diese Inseln der absoluten Entspannung zurück zu erobern.

Die Diskussion auf Twitter und einigen Blogs der letzten Tage über Körperformoptimierung, Passformanpassung, Diätenwahn und Nähen als Gegenentwurf zum Mainstream und Normierung von Frauenkörpern, spielt bei mir nur eine untergeordnete Rolle. Ich bin mit meinem Körper zufrieden, im Großen und Ganzen tut er das was er soll und er macht mir keine größeren Probleme, was in meinem Alter schon ein Grund ist, dankbar zu sein. Ich tue allerdings auch einiges dafür, dass das so bleibt.

Ich muss im Grunde nicht nähen, weil ich in den Kleiderläden nichts für mich finden würde und ich bin meilenweit davon entfernt meine gesamte Garderobe selbst zu nähen. Auch wenn ich diesen Gedanken schon sehr verlockend finde. 

Ich finde es aber außerordentlich prima, dass ich mir ein durchaus sehr aufwendig konstruiertes Kleidungsstück selbst machen kann, für das ich im Laden das doppelte oder dreifach bezahlen müsste. Ich finde es sehr praktisch, dass ich, wie neulich bei meiner Schwester, ihr ein schlecht sitzendes Kaufkleid so abändern kann, dass sie sich danach über ein gut sitzendes Kleid freut.

Es ist doch faszinierend, eine ja doch sehr alte Kulturtechnik zu beherrschend. Zu meiner Zeit, war es ja noch üblich, dass Mädchen in der Schule das Fach Handarbeiten hatten, sogar noch in der weiterführenden Schule. Bei meinen Töchtern gibt es das nicht mehr. Stirbt dieses Wissen irgendwann aus? Das wäre doch sehr schade, zumal ich bei meinen Mädchen und deren Freundinnen ein großes Interesse daran bemerke. Ich finde es schön, dazu beizutragen, dass nicht alles in Vergessenheit gerät.

Und deshalb bin ich nun in den letzten Tagen motiviert ins Nähzimmer und habe mein Kleid, das seit Monaten, welch eine Schande, auf der Puppe hängt fertig genäht. Es fehlt nur noch der Saum und dann habe ich rechtzeitig zun Weihnachten ein schönes Kleid.



Schnitt: Harriet aus der La Maison Viktor, Dez 2015

Änderungen:Halsausschnitt vergrößert, Taillenband aus Stoffmangel      weggelassen

Größe: 38, sitzt aber sehr eng, 40 wäre wohl besser gewesen

Stoff: Romanit

Fazit: Ein bisschen mehr Platz hätte dem Kleid sicher gut getan, aber das kann ich jetzt nicht mehr ändern. Mir gefällt es sehr gut und vielleicht mache ich noch eins, allerdings dann aus Webstoff, Jersey ist einfach nicht so meinen Sache. An der Passform habe ich nichts ändern müssen.


Bilder gibt es dann an Weihnachten.

Kommentare:

  1. Schön, dass du wieder Lust hast und die entspannende Wirkung des Nähens wiederentdeckt hast. (Ich lese gerade Blogs zur Ablenkung, weil ich etwas unentspannt bin, nachdem ich eine einseitige Paspeltasche fürs Futter zweimal vermurkst habe... aber einen Versuch mache ich später noch.)
    Ich wünsche dir schöne Feiertage!
    Lucy

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    1. Ja, das ist für mich immer ein kleiner Urlaub. Murks kenne ich zur Genüge, auch bei dem Kleid. Aber du kriegst das bestimmt hin.
      Ich wünsche euch ein entspanntes Weihnachtsfest mit vielen Näh- und Strickstunden oder mit was auch immer ihr sie füllen wollt.

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  2. Liebe Ute,
    das freut mich sehr. Ich wünsche dir schöne Feiertage. In deinem wunderschönen Kleid wird es bestimmt eine Freude!
    Lieben Gruß
    Eja

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  3. Ich freue mich, wieder von dir zu hören/lesen. Ja, ich finde es sehr lohnend, Blogs mit Aussage und Inhalt zu pflegen statt sich auf die schnellen, kurzen Äußerungen auf Twitter usw. zu verlegen. Ich habe mich da noch nicht einmal angemeldet und ich persönlich vermisse nichts. Was du über Nähen als Kulturtechnik sagst, kann ich voll und ganz unterstützen.
    Das neue Erscheinungsbild deines Blogs gefällt mir gut, klar und übersichtlich. Nur mit den zentrierten Zeilen fremdele ich nach wie vor. Ist das eine Mode? Steckt da eine Aussage dahinter, die mir bisher verborgen geblieben ist?
    Frohe Weihnachten
    Siebensachen

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    1. Danke für deinen Kommentar!

      Mal sehen, ob ich es schaffe dran zu bleiben. Und vor allem auch am Nähen.
      Der zentrierte Text ist übrigens reiner Zufall und hat keinerlei Bedeutung.

      Gruß Ute

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  4. Schön, von dir zu lesen! Und was du schreibst, kann ich sehr gut nachvollziehen. Wenn man sich ein bisschen zwingt, ist sowohl nähen, als auch bloggen wieder sehr schön, aber wenn es nicht geht, dann geht es halt nicht.
    Dein Kleid ist sehr schön, ich freue mich auf mehr Fotos :-)
    LG
    anne

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  5. sehr schöner post, gedanken und überlegungen!
    ich glaube, das nähen ist ein trend und genau wie jeder boom, wird es irgendwann man abflachen. dabei bleiben nur die, die passionierte schneiderinen sind.twitter,FB und instagramm halte ich von mir fern.es stiehlt die zeit vom leben und vom nähen.da ich schon längere pause hatte,und damit meine ich die hganze 10 jahre ohne eine naht, habe ich immer die angst im naken, dass mich das wieder kalt erwischt. allerdings habe ich jetzt tonnenweise teure stoffe gehammstert. ich darf das nicht mehr. so ein gefühl,wie du beschreibst, dass man sich entspannt und alles vergisst- habe ich in ganzen 30 jahren beim nähen nicht erlebt,habe aber schon mal von den anderen gehört.ich empfinde das nähen doch eh als arbeit, harte arbeit. der grund,warum ich 10 jahre nichts genäht habe war, dass ich beim gedanken "ich nähe mir mal das" nur eine liste der prozesse vor 3 auge gesehen und schon keinen bock mehr hatte.später überkam mich die leidenschaft. aber wer garantiert mir,dass es sich nciht wieder umdreht?in diesem jahr habe ich sehr wenig genäht,so wenig, wie schon lange nicht mehr.
    finde dein text sehr schön. ich sollte mir auch so toefgründige gedanken machen, was ich dabei empfinde und warum ich nähe...
    vor 1-2 jahren habe ich genäht,weil ich neugirig auf den shcnitt oder stoff war.momentan weiß ich es irgendwie nicht wirklich,was genau meine motivation ist...
    danke für anregung!
    ich wünsche Dir guten Rutsch ins neue jahr! alles gute!

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